Wie viele CE-Fahrer gibt es wirklich in deinem Einzugsgebiet? Die Rechnung hinter der Bundeszahl
Wie viele CE-Fahrer realistisch in deinem Umkreis verfügbar sind, lässt sich aus Bundeslandzahl, Fläche und Radius schätzen. Die Rechnung transparent erklärt.
Du hast eine offene Fahrerstelle, vielleicht zwei, und überall liest du von einem Fahrermangel, der angeblich 70.000, manchmal auch 120.000 oder mehr Berufskraftfahrer deutschlandweit betrifft. Mit dieser Zahl kannst du nichts anfangen. Sie sagt dir nicht, ob in deinem Radius um den Hof überhaupt genug wechselbereite CE-Fahrer wohnen, um die Stelle in absehbarer Zeit zu besetzen, oder ob du in einem besonders dünn besiedelten Landkreis sitzt, in dem selbst ein großzügiges Werbebudget kaum etwas bewegt.
Wie viele Berufskraftfahrer realistisch in deinem Einzugsgebiet verfügbar sind, lässt sich aus drei öffentlichen Größen schätzen: der Fahrerzahl deines Bundeslands, seiner Fläche und dem Radius, den du bereit bist zu bedienen. Daraus ergibt sich eine Fahrerdichte je Quadratkilometer, multipliziert mit der Kreisfläche deines Radius. Rund 11 Prozent davon gelten als wechselbereit.
Warum die bundesweite Fahrermangel-Zahl für deine Planung nichts hergibt
Ob 70.000, 120.000 oder 185.000: Die kursierenden Zahlen zum deutschlandweiten Fahrermangel widersprechen sich, je nachdem, ob eine Quelle den aktuellen Engpass zählt, eine mittelfristige Prognose für die nächsten Jahre meint, oder ob nur der klassische Güterverkehr gerechnet wird und nicht alle Fahrerberufe zusammen. Für deine Entscheidung ist das ohnehin die falsche Ebene. Ein Landkreis mit einem Dutzend großer Speditionen, dichtem Autobahnnetz und mehreren Berufsschulen für Berufskraftfahrer hat ein völlig anderes Fahrerangebot als ein ländlicher Kreis mit derselben Einwohnerzahl, aber ohne nennenswerten Güterverkehr. Eine bundesweite Schlagzeile mittelt genau das weg, was am Ende über deine Kampagne entscheidet: Wie viele Fahrer wohnen tatsächlich in fahrbarer Entfernung zu deinem Hof, und wie viele davon würden für eine neue Stelle überhaupt den Arbeitgeber wechseln.
Der zweite Grund, warum die Bundeszahl wenig taugt: Sie ist ein Bestand, keine Verfügbarkeit. Die meisten der rund 480.000 Berufskraftfahrer in Deutschland haben einen Job und suchen aktuell keinen neuen. Für deine Planung zählt nicht, wie viele Menschen den Beruf ausüben, sondern wie viele davon in den nächsten Monaten überhaupt ansprechbar sind. Genau diesen Unterschied bildet die folgende Rechnung ab, Schritt für Schritt und mit denselben Zahlen, auf denen auch unser Rechenkern für die Kampagnenplanung beruht.
Wie viele Berufskraftfahrer gibt es in deinem Bundesland?
Der einzige belastbare Ausgangspunkt ist die Bundeszahl selbst. Das Statistische Bundesamt zählte zuletzt rund 480.000 Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer in Deutschland, veröffentlicht in einer Pressemitteilung vom Mai 2022. Eine amtliche Aufschlüsselung nach Bundesland gibt es dazu nicht, Destatis erhebt die Berufsgruppe nur bundesweit. Deshalb rechnen wir die Bundeszahl anhand des Beschäftigtenanteils jedes Bundeslands hoch und runden auf Tausender. Für Baden-Württemberg ergibt das eine Größenordnung von rund 70.000 Berufskraftfahrern, für Nordrhein-Westfalen rund 100.000, für Bayern rund 82.000, für ein kleines Flächenland wie das Saarland rund 6.000.
Diese Zahlen sind Näherungswerte, keine Volkszählung. Sie beruhen auf der plausiblen Annahme, dass sich Berufskraftfahrer ungefähr proportional zur Gesamtbeschäftigung auf die Bundesländer verteilen, was die tatsächliche Konzentration in Logistikregionen wie dem Ruhrgebiet oder dem Rhein-Main-Gebiet etwas unterschätzt und in reinen Verwaltungssitzen leicht überschätzt. Für eine grobe Standortplanung reicht die Genauigkeit trotzdem, weil der nächste Rechenschritt, die Fläche, den größeren Hebel darstellt.
Von der Landeszahl zur Fahrerdichte deines Kreises
Aus der Landeszahl wird erst dann etwas Brauchbares, wenn du sie durch die Landesfläche teilst. Baden-Württemberg hat rund 70.000 Berufskraftfahrer auf 35.748 Quadratkilometern, das ergibt eine Dichte von knapp zwei Fahrern je Quadratkilometer. Nordrhein-Westfalen kommt mit rund 100.000 Fahrern auf nur 34.113 Quadratkilometern auf fast drei Fahrer je Quadratkilometer, spürbar mehr, weil das Land dichter besiedelt und stärker industrialisiert ist. Bayern liegt mit rund 82.000 Fahrern auf 70.542 Quadratkilometern dagegen bei gut einem Fahrer je Quadratkilometer, die große Fläche verdünnt die Dichte.
Multiplizierst du diese Dichte mit der Fläche deines Suchradius, also mit π mal Radius zum Quadrat, bekommst du eine Schätzung, wie viele Berufskraftfahrer in diesem Kreis wohnen. Ein Radius von 55 Kilometern ergibt eine Kreisfläche von rund 9.500 Quadratkilometern. Für einen Standort in Baden-Württemberg, etwa rund um Heidelberg, macht das hochgerechnet knapp 18.600 verfügbare Fahrer.
- Die Landeszahl: die hochgerechnete Größenordnung der Berufskraftfahrer in deinem Bundesland, abgeleitet aus der bundesweiten Destatis-Zahl und dem Beschäftigtenanteil des Landes.
- Die Landesfläche: die amtliche Quadratkilometerzahl deines Bundeslands, daraus ergibt sich zusammen mit der Landeszahl die Fahrerdichte je Quadratkilometer.
- Dein Suchradius: die Entfernung, die du bereit bist zu bedienen, als Kreisfläche gerechnet und nicht als Luftlinie zur nächsten Großstadt.
Der Dichteunterschied wirkt sich direkt auf das Ergebnis aus. Derselbe 55-Kilometer-Radius um einen Standort in Dortmund, mitten im dichter besiedelten Nordrhein-Westfalen, ergibt rechnerisch rund 27.900 verfügbare Berufskraftfahrer, gut die Hälfte mehr als um Heidelberg, obwohl der Radius identisch ist. Wechselbereit davon sind rund 3.060 Fahrer, das ergibt bei gleichem Budget von 500 Euro im Monat eine Bandbreite von etwa 37 bis 49 Bewerbungen statt 25 bis 33. Zwei Betriebe mit demselben Werbebudget und demselben Suchradius landen also allein wegen ihres Standorts in spürbar unterschiedlichen Größenordnungen.
Wie viele davon sind überhaupt wechselbereit?
Nicht jeder Fahrer in deinem Umkreis sucht gerade einen neuen Job. Am deutschen Arbeitsmarkt liegt die jährliche Wechselbereitschaft insgesamt bei ungefähr jedem Zehnten, wir rechnen konservativ mit 11 Prozent. Von den rund 18.600 verfügbaren Fahrern im 55-Kilometer-Radius um Heidelberg bleiben damit etwa 2.050 wechselbereite Fahrer übrig. Das ist die eigentliche Zielgruppe, die eine Kampagne überhaupt erreichen kann, nicht die Gesamtzahl der dort beschäftigten Berufskraftfahrer. Der Unterschied zwischen 18.600 und 2.050 ist der Grund, warum sich Fahrer-Recruiting in dünn besiedelten Regionen so viel schwerer anfühlt als in Ballungsräumen: Die absolute Fahrerzahl mag ähnlich klein wirken, aber die wechselbereite Teilmenge schrumpft im selben Verhältnis mit.
Die Wechselbereitschaft schwankt zudem übers Jahr: Nach dem Winter und vor der Urlaubssaison ist sie erfahrungsgemäß etwas höher als im Spätherbst, wenn viele Fahrer den Jahreswechsel beim aktuellen Arbeitgeber abwarten. Für die grobe Standortplanung reicht trotzdem der Jahresdurchschnitt von 11 Prozent, saisonale Schwankungen gleichen sich über ein volles Kampagnenjahr aus.
Ein Rechenbeispiel: 55 Kilometer um Heidelberg
So sieht die komplette Rechnung im Zusammenhang aus. Baden-Württemberg: rund 70.000 Berufskraftfahrer auf 35.748 Quadratkilometern, das ergibt eine Dichte von rund 1,96 Fahrern je Quadratkilometer. Ein Radius von 55 Kilometern ergibt eine Kreisfläche von rund 9.500 Quadratkilometern, multipliziert mit der Dichte macht das hochgerechnet knapp 18.600 verfügbare Fahrer. Davon sind rund 2.050 wechselbereit.
Von diesen 2.050 wechselbereiten Fahrern erreicht eine aktive Kampagne über Meta, Instagram, TikTok und WhatsApp mit einem Budget von 500 Euro im Monat, dem Umfang unseres ersten dokumentierten Kampagnenmonats bei Vectra Logistic, erfahrungsgemäß 1,2 bis 1,6 Prozent, also 25 bis 33 Bewerbungen. Verdoppelst du das Budget auf 2.000 Euro, steigt die Reichweite nicht auf das Doppelte, sondern auf etwa das 1,4-Fache, weil die günstigste Aufmerksamkeit zuerst eingekauft wird und jeder weitere Euro schwerer wirkt. Aus denselben 2.050 wechselbereiten Fahrern werden dann rechnerisch rund 49 bis 66 Bewerbungen, nicht 50 bis 66 mal zwei. Diese Größenordnungen sind ein Erfahrungswert aus bisherigen Kampagnen, kein Einzelversprechen, dafür schwankt die tatsächliche Ansprechbarkeit von Woche zu Woche zu stark.
Wie aus einer Bewerbungszahl am Ende eine tatsächliche Einstellung wird, über qualifizierte Gespräche und vorgestellte Kandidaten, steht mit allen vier Trichterstufen im Artikel Wie viele Bewerbungen bis zur Einstellung.
Was passiert an der Landesgrenze, wenn dein Radius über die Landesfläche hinausreicht?
Bei kleinen Bundesländern reicht ein Radius schnell über die eigene Landesfläche hinaus, und dann würde die reine Landesrechnung ein unmögliches Ergebnis liefern. Nimm das Saarland: rund 6.000 Berufskraftfahrer auf nur 2.571 Quadratkilometern, das ist mit Abstand die höchste Fahrerdichte aller Flächenländer. Schon ein Radius von 30 Kilometern erzeugt eine Kreisfläche von rund 2.827 Quadratkilometern, mehr Fläche, als das ganze Saarland überhaupt hat.
Für den Teil des Kreises, der über die Landesgrenze hinausragt, rechnen wir deshalb nicht mit der saarländischen, sondern mit der bundesweiten Durchschnittsdichte von rund 1,34 Fahrern je Quadratkilometer. Alles andere würde rechnerisch mehr Fahrer ergeben, als im ganzen Bundesland gemeldet sind, und genau das wäre die Art erfundener Zahl, die wir vermeiden wollen. Für einen 30-Kilometer-Radius um einen saarländischen Standort kommen so rund 6.300 verfügbare und etwa 700 wechselbereite Fahrer zusammen, ein guter Teil davon bereits mit der Dichte des angrenzenden Rheinland-Pfalz gerechnet.
Dasselbe Prinzip gilt für Bremen, Hamburg und Berlin: Alle drei sind Stadtstaaten mit vergleichsweise winziger Fläche, ein mittlerer Suchradius reicht dort fast immer über die Landesgrenze hinaus. Die Fahrerzahl für diese Städte ist deshalb nie rein die Stadtstaat-Zahl, sondern immer eine Mischung aus der hohen städtischen Dichte im Kern und der niedrigeren Dichte des Umlands, das rechnerisch dazukommt.
Wo die Schätzung ungenau wird
Die Rechnung ist transparent, aber sie bleibt eine Größenordnung, keine Volkszählung für deinen konkreten Landkreis. An mehreren Stellen weicht die Realität vor Ort vom Modell ab, und du solltest wissen, in welche Richtung:
- Ballungsraum gegen ländlichen Raum: Innerhalb eines Bundeslands schwankt die tatsächliche Fahrerdichte stärker, als eine landesweite Durchschnittszahl zeigt. Ein Speditionshof im Ruhrgebiet trifft auf mehr Fahrer im Umkreis als einer im Hunsrück, obwohl beide formal in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise Rheinland-Pfalz liegen und mit derselben Landesdichte gerechnet würden.
- Wettbewerb um dieselben Fahrer: Sitzen in deinem Radius bereits mehrere andere Speditionen mit offenen CE-Stellen, teilt ihr euch dieselben wechselbereiten Fahrer. Die Modellrechnung zeigt das verfügbare Angebot, nicht, wie viele Betriebe gleichzeitig danach greifen.
- Grenznahe Regionen und Pendlerströme: Wer nahe an einer Landesgrenze mit besonders dichtem Fahreraufkommen liegt, etwa im Rhein-Neckar-Raum oder im Ruhrgebiet, profitiert von Pendlerbewegungen, die eine reine Flächenrechnung nicht abbildet, weil sie an der Verwaltungsgrenze hart schneidet.
- Spezialisierung: Suchst du gezielt einen ADR-Schein für Gefahrgut oder Erfahrung im Kühltransport, ist der tatsächlich erreichbare Pool kleiner als die allgemeine CE-Fahrerzahl, die diese Rechnung liefert.
Was du mit der Zahl anfangen kannst
Die Fahrerzahl in deinem Einzugsgebiet sagt dir vor allem eins: ob dein Engpass an einer echten Fahrerknappheit liegt oder eher an zu wenig oder zu schwacher Ansprache. In dicht besiedelten Regionen mit hoher Fahrerdichte, etwa im Rhein-Main-Gebiet oder im Ruhrgebiet, lohnt es sich fast immer, zuerst die Ansprache zu verbessern, bevor du den Radius vergrößerst. In dünn besiedelten Regionen ist ein größerer Radius oft der einzige Hebel, den du hast, und dann wird Geduld wichtiger als Werbebudget, weil sich die Sättigungsgrenze der erreichbaren Fahrer schneller einstellt.
Sinnvoll ist außerdem, die Modellrechnung nach den ersten Kampagnenwochen an der Realität zu prüfen. Bleiben die tatsächlichen Bewerbungen über mehrere Wochen deutlich unter der berechneten Bandbreite, obwohl die Ansprache läuft, ist das ein Hinweis, dass dein Landkreis eine der oben genannten Ausnahmen ist, etwa besonders viel Wettbewerb um dieselben Fahrer oder eine Spezialisierung, die den erreichbaren Pool verkleinert. Bleiben sie deutlich darüber, war die Schätzung zu vorsichtig, und ein größeres Budget lohnt sich eher als gedacht.
Was ein leerer Fahrerplatz dich in der Zwischenzeit Monat für Monat kostet, zeigt dir unser Kosten-Rechner. Willst du die Fahrerzahl für deinen eigenen Standort statt für das Beispiel Heidelberg sehen, probier es mit deiner eigenen Postleitzahl im Gebiets-Check, ganz ohne Formular und ohne Anmeldung.
Für Baden-Württemberg speziell gibt es außerdem die Regionalseite Fahrer finden in Baden-Württemberg mit den Besonderheiten des Südwestens. Und warum der Markt insgesamt so eng geworden ist, mit allen Ursachen und zwei Hebeln dagegen, steht im Artikel Fahrermangel 2026.
Häufige Fragen
Wie berechnet Fahrerpilot die Fahrerzahl für eine Postleitzahl?+
Aus der hochgerechneten Fahrerzahl deines Bundeslands und seiner Fläche entsteht eine Fahrerdichte je Quadratkilometer. Diese wird mit der Kreisfläche deines Suchradius multipliziert, was über die Landesfläche hinausragt, rechnen wir mit der bundesweiten Durchschnittsdichte. Das Ergebnis ist eine Größenordnung, keine amtliche Einzelzahl.
Warum stimmen die kursierenden Zahlen zum Fahrermangel nicht überein?+
Weil die Angaben unterschiedliche Dinge messen: mal den aktuellen Engpass, mal eine mittelfristige Prognose für die nächsten Jahre, mal nur den Güterverkehr, mal alle Fahrerberufe zusammen. Für die eigene Standortplanung ist keine dieser Bundeszahlen direkt brauchbar, entscheidend ist die regionale Größenordnung.
Wie viele CE-Fahrer wohnen in einem 50-Kilometer-Radius um meinen Betrieb?+
Das hängt stark vom Bundesland ab. In dicht besiedelten Regionen wie dem Ruhrgebiet ergibt ein 50-Kilometer-Radius mehrere Zehntausend Berufskraftfahrer, in dünn besiedelten Flächenländern deutlich weniger. Die genaue Größenordnung für deine Postleitzahl zeigt der Gebiets-Check kostenlos und ohne Anmeldung.
Warum nennt Fahrerpilot keine Fahrerzahl für einzelne Städte, sondern nur fürs Bundesland?+
Weil es dafür keine amtliche Datengrundlage gibt. Die Fahrerzahl je Bundesland ist bereits eine Hochrechnung aus der bundesweiten Destatis-Zahl, eine weitere Aufteilung auf einzelne Städte würde die Ungenauigkeit nur vergrößern. Auf unseren Regionalseiten ist das entsprechend gekennzeichnet.
Ist die Fahrerzahl eine Zusage, wie viele Bewerbungen ich bekomme?+
Nein. Die Fahrerzahl ist eine Schätzung auf Basis öffentlicher Arbeitsmarktdaten und unserer Erfahrung aus bisherigen Kampagnen, keine Zusage für ein Einzelergebnis. Wie viele Bewerbungen tatsächlich eingehen, hängt zusätzlich von Budget, Ansprache und Saisonalität ab.
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