CE-Führerschein über geförderte Umschulung: Quereinsteiger als Fahrer gewinnen
Der CE-Führerschein kostet 8.000 bis 12.000 Euro. Über die geförderte Umschulung werden Quereinsteiger zu Fahrern. So funktioniert es für Speditionen.

Der ganze Markt bewegt dieselben Fahrer im Kreis. Jede Agentur holt deinen neuen Fahrer bei einer anderen Spedition ab. Das löst dein Problem für ein paar Monate, schafft aber keinen einzigen neuen Fahrer. Quereinsteiger dagegen erweitern den Markt wirklich.
Wie dringend das ist, zeigen die Zahlen des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL): Jedes Jahr gehen 30.000 bis 35.000 Fahrer in Rente, aber nur 15.000 bis 20.000 kommen nach. Der Markt schrumpft also jedes Jahr um rund 15.000 Fahrer. Umverteilen hilft dagegen genauso wenig wie schneller schöpfen, wenn der Eimer ein Loch hat.
Warum Quereinsteiger unterschätzt werden
Es gibt viele Menschen, die gern Berufskraftfahrer werden würden. Sie suchen einen sicheren Job mit Zukunft. Der Haken ist fast immer der gleiche: Der CE-Führerschein samt Modul 95 kostet 8.000 bis 12.000 Euro. Das kann kaum jemand privat stemmen.
Dazu kommt ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält: Quereinsteiger seien unzuverlässig oder nur auf der Durchreise. Die Erfahrung vieler Betriebe spricht dagegen. Wer mit Mitte dreißig noch einmal umschult, hat sich das gut überlegt. Er hat oft Familie, sucht Sicherheit und wechselt nicht wegen 100 Euro zum Nachbarn. Ein abgeworbener Fahrer dagegen ist per Definition jemand, der sich abwerben lässt.
Und der Zeitpunkt spricht ebenfalls für Quereinsteiger. 39 Prozent der Berufskraftfahrer sind 55 Jahre oder älter, im Schnitt aller Berufe sind es 25 Prozent. Das hat die VerkehrsRundschau 2025 auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts veröffentlicht. Wer heute nicht anfängt, Fahrer aufzubauen, hat in fünf Jahren die Fahrzeuge, aber niemanden mehr dafür.
Wie die geförderte Umschulung funktioniert
Genau für diese Lücke gibt es die geförderte Umschulung über die Agentur für Arbeit. Unter bestimmten Voraussetzungen wird der Erwerb des Führerscheins gefördert. So wird aus einem wechselwilligen Menschen ein ausgebildeter Fahrer, der dringend einen Betrieb sucht, bei dem er anfangen kann.
Das übliche Instrument dafür ist der Bildungsgutschein. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter stellt ihn aus, wenn die Weiterbildung im Einzelfall als notwendig eingestuft wird, etwa weil sie Arbeitslosigkeit beendet oder abwendet. Mit dem Gutschein sucht sich der Teilnehmer einen zugelassenen Bildungsträger, also in der Regel eine Fahrschule mit entsprechender Zertifizierung.
- Die Entscheidung trifft immer die zuständige Arbeitsvermittlung im Einzelfall. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht.
- Gefördert wird in der Regel eine zugelassene Maßnahme, nicht der Führerschein als isolierte Einzelleistung.
- Der Bildungsträger muss nach den geltenden Regeln zugelassen sein. Nicht jede Fahrschule ist das.
- Auch für bereits Beschäftigte gibt es Förderwege, wenn eine Weiterbildung den Arbeitsplatz sichert. Die Bedingungen unterscheiden sich vom Fall der Arbeitslosigkeit.
- Die Dauer hängt von Vorkenntnissen und Führerscheinklassen ab. Wer schon Klasse B hat, braucht weniger Zeit als jemand, der bei null anfängt.
Welche Variante im konkreten Fall greift, klärt der Bewerber mit seiner Arbeitsvermittlung. Du als Betrieb kannst den Prozess nicht entscheiden, aber du kannst ihn deutlich beschleunigen. Und genau das ist dein Hebel.
Was du als Betrieb dazu beitragen kannst
Der wichtigste Beitrag ist eine verbindliche Perspektive. Eine Arbeitsvermittlung entscheidet leichter für eine Förderung, wenn erkennbar ist, dass am Ende ein Arbeitsplatz steht. Ein Betrieb, der schriftlich signalisiert, dass er den Teilnehmer nach erfolgreichem Abschluss einstellen will, macht aus einer offenen Maßnahme einen konkreten Plan.
- Eine schriftliche Einstellungszusage oder Absichtserklärung für die Zeit nach dem Abschluss.
- Ein Praktikum oder eine Probearbeit im Betrieb, damit beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen.
- Ein fester Ansprechpartner bei dir, der auch mal mit der Fahrschule oder der Arbeitsagentur telefoniert.
- Eine ehrliche Beschreibung des Einsatzes. Wer glaubt, er fährt Nahverkehr, und dann im Fernverkehr landet, ist schneller wieder weg als der Führerschein alt ist.
- Ein Einarbeitungsplan für die ersten Wochen, inklusive Beifahrerzeit bei einem erfahrenen Kollegen.
Der Punkt mit der Beifahrerzeit wird oft unterschätzt. Ein frisch ausgebildeter Fahrer hat den Schein, aber keine Routine. Rangieren an einer engen Rampe, Ladungssicherung unter Zeitdruck, der Umgang mit einem Kunden, der schlechte Laune hat: Das lernt niemand in der Fahrschule. Zwei bis vier Wochen mit einem erfahrenen Kollegen kosten dich Geld und ersparen dir Schäden, die deutlich teurer sind.
- Der Quereinsteiger bringt Motivation und Bleibewillen mit.
- Die Förderung senkt die größte finanzielle Hürde.
- Der Betrieb bekommt einen Fahrer, der neu im Markt ist, nicht abgeworben.
Was das für deine Spedition bedeutet
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Entscheidend ist, die Brücke zu bauen zwischen wechselwilligen Quereinsteigern, der geförderten Umschulung und deinem Betrieb. Wer diesen zweiten Weg neben der klassischen Fahrersuche nutzt, macht sich unabhängiger von einem Markt, der immer enger wird.
Rechne dabei ehrlich mit dem Faktor Zeit. Ein Quereinsteiger löst nicht die Vakanz, die du diesen Monat hast. Er löst die Vakanz, die in einem halben Jahr entsteht, wenn dein ältester Fahrer in Rente geht. Deshalb ist das kein Notfallinstrument, sondern Personalplanung. Was dich die Wartezeit bis dahin kostet, kannst du im Artikel Was kostet ein unbesetzter LKW wirklich nachrechnen.
Für die akuten Lücken brauchst du parallel die schnellen Kanäle: aktive Ansprache über Social Media und den zweiten Fahrerpool. Beides ist im Artikel LKW-Fahrer finden: 7 Wege beschrieben, der osteuropäische Weg im Detail im Artikel Rumänische LKW-Fahrer legal einstellen.
Wo Quereinsteiger überhaupt herkommen
Die Frage, die sich anschließt, ist die praktische: Wie findest du Menschen, die diesen Weg gehen wollen. Über eine klassische Stellenanzeige kaum, denn wer noch keinen CE hat, sucht auch nicht nach CE-Stellen.
Gefunden werden sie dort, wo sie sich ohnehin aufhalten, also in den sozialen Netzwerken, und mit einer Botschaft, die nicht nach Stellenanzeige klingt. Wer schreibt, dass er Menschen ohne CE-Führerschein den Weg in den Beruf ermöglicht, bekommt Rückmeldungen von Leuten, die sich auf eine normale Fahreranzeige nie gemeldet hätten. Lagerkräfte, Handwerker, Leute aus der Produktion, oft mit Klasse B und Erfahrung im Umgang mit Fahrzeugen.
Zwei Gruppen lohnen dabei besonders. Die erste sind Leute, die bereits im Umfeld arbeiten, also Lagermitarbeiter, Rangierer oder Beifahrer. Sie kennen den Ablauf, die Rampe und die Papiere und brauchen im Grunde nur den Schein. Die zweite sind Menschen aus Branchen, in denen gerade Stellen wegfallen. Wer nach Jahren in der Produktion neu anfangen muss, bringt Schichtbereitschaft und Pünktlichkeit mit, zwei Dinge, die sich schwer beibringen lassen.
Wichtig ist die Vorauswahl. Nicht jeder, der sich meldet, ist geeignet. Kläre früh die Punkte, an denen es später scheitern würde: Führerscheinklasse B vorhanden, gesundheitliche Eignung, Bereitschaft zu Schicht oder Fernverkehr, ausreichende Deutschkenntnisse für die Theorieprüfung und die Situation gegenüber der Arbeitsagentur. Ein halbstündiges Gespräch am Anfang spart Monate, in denen sich sonst niemand traut, das Offensichtliche anzusprechen.
Quereinsteiger über geförderte Umschulung sind kein Ersatz für erfahrene Fahrer, aber eine starke zweite Säule. Fahrerpilot verbindet beide Wege: erfahrene Fahrer aus zwei Pools für die akuten Lücken und den gezielten Aufbau neuer Fahrer für die Lücken, die absehbar entstehen. Wenn du wissen willst, welche Mischung bei deiner Altersstruktur sinnvoll ist, lass uns fünfzehn Minuten darüber reden.
Häufige Fragen
Muss ich als Spedition den Führerschein bezahlen?+
Nicht zwingend. Der Sinn der geförderten Umschulung ist, dass die Kosten nicht am Betrieb und nicht am Teilnehmer hängen bleiben. Manche Speditionen beteiligen sich freiwillig oder übernehmen Teile, oft verbunden mit einer Bindungsvereinbarung. Wie eine solche Vereinbarung rechtssicher aussieht, lässt du dir am besten von einem Fachanwalt prüfen.
Wie lange dauert es, bis ein Quereinsteiger fahren kann?+
Das hängt von den Vorkenntnissen ab, vor allem davon, ob bereits Klasse B vorhanden ist, und von der Auslastung der Fahrschule. Plane in Monaten, nicht in Wochen. Danach kommt die Einarbeitung im Betrieb dazu.
Bleiben Quereinsteiger wirklich länger?+
Eine belastbare bundesweite Statistik dazu kennen wir nicht, deshalb sagen wir keine Zahl. Was Betriebe berichten, ist ein einfacher Zusammenhang: Wer seinen Beruf über einen bestimmten Arbeitgeber bekommen hat, wechselt seltener zum Nachbarn wegen eines kleinen Lohnunterschieds.
Was, wenn er die Prüfung nicht besteht?+
Das kommt vor, gerade bei Menschen, die lange keine Prüfung mehr abgelegt haben. Deshalb ist das Vorgespräch wichtig. Wer im ersten Gespräch merkt, dass jemand Theorie und Schriftliches scheut, sollte das offen ansprechen, statt es auszusitzen.
Erstgespräch
Bereit, die Lücke zu schließen?
Wir bringen deiner Spedition einsatzbereite CE-Fahrer aus zwei Fahrer-Pools, jeder persönlich vorqualifiziert. In einem 30-Minuten-Gespräch klären wir ehrlich, ob es passt.