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Fahrer am Telefon prüfen25.08.20269 Min.Von Rares Daniel Belean

Woran du im ersten Telefonat erkennst, ob ein CE-Fahrer wirklich fährt

Am Telefon entscheidet sich, wer zur Vorstellung kommt. Sechs Prüfpunkte, mit denen Speditionen CE-Fahrer in zehn Minuten fair einschätzen.

Du hast heute vier Telefonate mit Fahrern geführt. Zwei haben zugesagt vorbeizukommen und sich dann nicht mehr gemeldet. Einer hat erzählt, er fahre seit zwölf Jahren Sattelzug, wusste auf Nachfrage aber nicht, was eine Wechselbrücke ist. Der vierte klang gut am Telefon, aber am Ende des Gesprächs wusstest du immer noch nicht, ob er wirklich fährt oder nur gut übers Fahren reden kann.

Das eigentliche Problem sind selten die Fahrer, die bewusst lügen. Das kommt vor, ist aber meist schnell zu erkennen. Das eigentliche Problem sind die Fahrer, die ehrlich, aber ungenau sind: die eigene Erfahrung optimistisch einschätzen, den Wechselgrund abrunden, eine Lücke im Lebenslauf einfach nicht erwähnen, weil niemand danach gefragt hat. Genau diese Ungenauigkeit kostet am meisten Zeit, weil sie erst beim Vorstellungstermin auffliegt, wenn dein Disponent schon eine Stunde investiert hat.

Am Telefon erkennst du einen zuverlässigen CE-Fahrer nicht an glatten Antworten, sondern an vier Prüfpunkten: einem nachvollziehbaren Wechselgrund, einem lückenlosen Lebenslauf ohne unerklärte Pausen, gültigen Nachweisen zu Modul 95 und Fahrerkarte, und einer realistischen Einschätzung der eigenen Fahrpraxis statt reiner Jahreszahlen. Wer diese vier Punkte in zehn Minuten klärt, spart sich später ein Vorstellungsgespräch, das ohnehin nicht funktioniert hätte.

Was am Telefon überhaupt zu klären ist

Ein Telefoninterview mit einem CE-Fahrer ist kein Small Talk und kein Verhör, sondern ein kurzer, strukturierter Check. Sechs Themen gehören rein, ungefähr in dieser Reihenfolge: der Wechselgrund, die tatsächliche Fahrpraxis nach Fahrzeugtyp und Strecke, die Gültigkeit von Führerschein und Zusatzqualifikationen, Verfügbarkeit und Kündigungsfrist, Sprache und Verständigung im Arbeitsalltag, und die Vorstellung zu Tour und Gehalt. Zehn bis fünfzehn Minuten reichen dafür, wenn du nicht abschweifst und nicht schon beim ersten Punkt hängen bleibst.

  • Wechselmotiv: Warum jetzt, warum weg von der aktuellen Stelle?
  • Fahrpraxis: welche Fahrzeugtypen, welche Strecken, wie lange am Stück unterwegs?
  • Dokumente: Führerschein CE, Modul 95, Fahrerkarte, bei Bedarf ADR
  • Verfügbarkeit: ab wann, wie lange noch an den jetzigen Arbeitgeber gebunden?
  • Sprache: reicht die Verständigung für Ladepapiere, Kunden und den Funkverkehr im Team?
  • Tour- und Gehaltsvorstellung: liegt das grob im Rahmen dessen, was du bieten kannst?

Wie du die ersten Sätze eines solchen Gesprächs anlegst, entscheidet mehr, als viele Disponenten glauben. Wer sofort mit einer Bewertungsfrage beginnt, etwa nach der Anzahl der Unfälle, bekommt eine defensive Antwort. Besser fährst du damit, das Gespräch mit einer offenen, harmlosen Frage zu eröffnen, etwa nach dem aktuellen Arbeitsalltag. Ein Fahrer, der wirklich fährt, erzählt hier flüssig und mit Details, die man sich nicht ausdenkt: Ladezeiten, Stammkunden, die Eigenheiten einer bestimmten Rampe. Ein Fahrer, der seit Monaten nicht mehr richtig unterwegs war, redet hier auffällig allgemein.

Mach dir während des Gesprächs Notizen zu jedem der sechs Themen, in Stichworten, nicht als Gedächtnisprotokoll danach. Der Grund ist simpel: Nach dem fünften oder sechsten Telefonat an einem Tag verschwimmen die Antworten, und du erinnerst dich an den Eindruck, nicht mehr an die konkrete Aussage. Ein Bewerber, der beiläufig einen Ort, eine Firma oder eine Zahl nennt, gibt dir damit einen Anker, den du beim zweiten Anruf gezielt gegenprüfen kannst. Wer sich nichts notiert, verlässt sich am Ende auf ein Bauchgefühl, das genau die Fälle am schlechtesten erkennt, um die es hier geht.

Warum ist der Wechselgrund die wichtigste Frage im ganzen Gespräch?

Weil sie am schwersten zu fälschen ist. Fast jeder Bewerber hat eine geübte Antwort auf die Frage nach seiner Erfahrung parat. Auf die Frage, warum er seinen jetzigen Arbeitgeber verlassen will, antworten die wenigsten geübt, und genau deshalb hörst du hier am meisten heraus. Eine konkrete, nachvollziehbare Antwort, etwa eine geänderte Tourenplanung, ein Umzug oder ein Streit mit dem Disponenten, ist ein gutes Zeichen. Eine vage Antwort wie er wollte einfach mal was anderes ist nicht automatisch ein Warnsignal, aber ein Punkt, an dem du nachfragen solltest, statt einfach weiterzugehen.

Frag ruhig zweimal nach, mit unterschiedlichem Wortlaut, an unterschiedlichen Stellen im Gespräch. Wer beim zweiten Mal eine andere Geschichte erzählt als beim ersten, hat entweder ein schlechtes Gedächtnis oder beim ersten Mal nicht die ganze Wahrheit gesagt. Beides ist ein Grund, genauer hinzusehen, kein automatischer Grund für eine Absage.

Wie liest du Lücken im Lebenslauf, ohne das Gespräch zum Verhör zu machen?

Eine Lücke von zwei, drei Monaten zwischen zwei Stellen ist normal und meistens harmlos. Krankheit, Elternzeit, eine Kündigungsfrist, die sich verschoben hat. Interessant wird es erst, wenn sich Lücken häufen oder wenn ein Bewerber sie beim ersten Erzählen einfach überspringt, als gäbe es sie nicht. Frag nicht anklagend, sondern beiläufig, was zwischen zwei bestimmten Stellen war. Die Reaktion zählt dabei mehr als die Antwort selbst. Zögern, ein plötzlicher Themenwechsel oder eine auffällig knappe Antwort auf eine eigentlich einfache Frage ist der eigentliche Hinweis, nicht die Lücke selbst.

Frag außerdem gezielt nach der Dauer der letzten Anstellungen, mit Namen und ungefährem Zeitraum, nicht nur nach der Anzahl der Jahre insgesamt. Wer in den letzten drei Jahren mehrfach den Arbeitgeber gewechselt hat, ist damit noch nicht unzuverlässig. Du solltest aber wissen, ob das an ihm liegt oder an einem Muster, das du aus deiner Region kennst, etwa Saisonarbeit oder ein insolventer Betrieb in der Nähe.

Was die Fahrerkarte zeigt, das kein Lebenslauf verrät

Jede Fahrerkarte speichert die Lenk- und Ruhezeiten direkt im Chip, und ein Fahrer muss bei einer Straßenkontrolle Nachweise für den laufenden Tag sowie die vorausgegangenen 28 Kalendertage vorlegen können, so das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) zur EU-Kontrollgeräte-Verordnung. Für dich heißt das: Ein Fahrer, der wirklich aktiv unterwegs ist, kann auf Nachfrage recht genau beschreiben, wann er seine Karte zuletzt aus dem Kontrollgerät gezogen hat und wie seine letzten Touren aussahen. Wer seit Monaten nicht mehr richtig gefahren ist, tut sich damit auffällig schwer.

Das ist ein Prüfpunkt, den kaum ein Anbieter in der Branche nennt, dabei ist er einfacher als jede Referenzanfrage. Du musst niemanden anrufen, du musst nur eine konkrete Frage stellen und darauf achten, wie flüssig die Antwort kommt. Bitte den Fahrer beim persönlichen Termin ruhig, die Karte einmal mitzubringen. Wer sie einmal vergisst, hat vielleicht nur schlecht gepackt. Wer sie ein zweites Mal vergisst, will sie dir wahrscheinlich nicht zeigen.

Darfst du einfach beim früheren Arbeitgeber anrufen?

Nein, jedenfalls nicht ohne die ausdrückliche Einwilligung des Bewerbers. Ein Anruf beim aktuellen oder letzten Arbeitgeber, um sich nach der Zuverlässigkeit zu erkundigen, verletzt ohne diese Einwilligung den Datenschutz des Bewerbers und kann ihm im schlimmsten Fall die laufende Stelle kosten, bevor bei dir überhaupt etwas feststeht. Der Griff zum Telefon hinter dem Rücken des Bewerbers ist deshalb keine Abkürzung, sondern ein Risiko, das du nicht eingehen musst.

Die bessere Reihenfolge ist eine andere: Frag den Bewerber direkt, ob er bereit ist, dir eine Kontaktperson beim vorherigen Arbeitgeber zu nennen, die du mit seinem Einverständnis anrufen darfst. Wer zögert oder ausweicht, hat dafür meist einen Grund, den du dann direkt ansprechen kannst. Wer die Nummer bereitwillig gibt, hat in der Regel nichts zu verbergen. Diese eine Frage ersetzt den heimlichen Anruf durch ein offenes Angebot und verrät dir fast genauso viel.

Welche Dokumente musst du vor der Vorstellung geprüft haben?

Vier Dokumente gehören vor jede persönliche Vorstellung geklärt, nicht erst danach. Führerschein der Klasse CE mit Gültigkeitsdatum. Modul 95 beziehungsweise die Fahrerqualifizierungskarte, seit der jüngsten Änderung auch für Kandidaten erreichbar, die ihre Prüfung noch auf Rumänisch ablegen, nachzulesen im Artikel Grundqualifikation jetzt auch auf Rumänisch. Die Fahrerkarte selbst, samt Gültigkeitsdatum. Und, falls dein Betrieb Gefahrgut fährt, der passende ADR-Schein.

  • Führerschein CE: Gültigkeitsdatum und Auflagen, die den Einsatz einschränken könnten
  • Modul 95 oder Fahrerqualifizierungskarte: vorhanden und noch gültig
  • Fahrerkarte: vorhanden, nicht abgelaufen, im eigenen Zugriff des Fahrers
  • ADR-Schein für die passenden Klassen, wenn dein Betrieb Gefahrgut transportiert

Fehlt eines dieser Dokumente, heißt das nicht automatisch eine Absage. Es heißt: Du weißt vor der Vorstellung, woran ihr noch arbeiten müsst, statt es erst vor Ort zu erfahren, wenn dein Disponent schon einen Termin dafür blockiert hat. Bei rumänischen Bewerbern lohnt zusätzlich ein Blick auf die Sprachfrage aus dem Leitfaden Rumänische LKW-Fahrer legal einstellen, weil dort die Anerkennung des Führerscheins und die verständigungsrelevanten Punkte im Detail stehen.

Wie viel solltest du am Telefon schon zu Tour und Gehalt sagen?

Genug, damit sich keiner von euch später überrascht fühlt, aber nicht so viel, dass das Telefonat zur Verhandlung wird. Nenn die Grundzüge der Tour, Nah- oder Fernverkehr, ungefähre Standzeiten, wie oft er nach Hause kommt, und eine grobe Gehaltsspanne. Frag im Gegenzug, welche Spanne der Bewerber erwartet und wie wichtig ihm regelmäßige Heimkehr im Vergleich zum Verdienst ist. Weichen die Vorstellungen deutlich voneinander ab, spart euch das beiden die Fahrt zu einem Termin, der ohnehin an dieser Stelle gescheitert wäre.

Wichtig ist die Reihenfolge: Frag zuerst nach seiner Erwartung, bevor du deine Zahl nennst. Wer zuerst die eigene Spanne offenlegt, bekommt danach fast immer eine Zustimmung zu hören, unabhängig davon, ob sie realistisch gemeint ist oder nur höflich. Die Reihenfolge umgedreht bekommst du eine ehrlichere Zahl, mit der du tatsächlich planen kannst.

Wann du das Gespräch besser beendest

Nicht jedes Telefonat muss bis zum Ende laufen. Drei Signale sprechen dafür, höflich, aber klar abzukürzen. Erstens: Der Bewerber kann keine einzige konkrete Frage zur eigenen Fahrpraxis beantworten, weder Fahrzeugtyp noch Strecke noch ungefähre Kilometerleistung. Zweitens: Auf die Frage nach dem Wechselgrund kommen bei zwei Nachfragen zwei unterschiedliche Geschichten. Drittens: Bei Führerschein oder Modul 95 kommt ein Ausweichen auf eine Frage, die jeder aktive Fahrer normalerweise aus dem Kopf beantwortet, etwa das eigene Ablaufdatum.

Keines dieser drei Signale ist für sich allein ein Beweis. Zusammen sind sie ein Muster, und ein Muster erkennst du nur, wenn du wirklich alle Themen durchgehst, statt beim ersten guten Eindruck abzubrechen. Genau dafür ist die feste Reihenfolge da: Sie schützt dich vor deinem eigenen ersten Eindruck, der bei einer sympathischen Stimme schnell großzügiger urteilt, als die Fakten es hergeben.

Ein höflicher Ausstieg klingt zum Beispiel so: Du bedankst dich ausdrücklich für die Zeit, sagst offen, dass die Fahrpraxis für die Stelle bei dir gerade nicht passt, und bietest an, die Bewerbung für eine andere Tour im Blick zu behalten. Das kostet dich eine Minute, hinterlässt keinen schlechten Eindruck von deinem Betrieb, und du hast trotzdem keinen weiteren Termin blockiert, der ohnehin nicht zu einer Einstellung geführt hätte.

Was ein qualifiziertes Gespräch am Ende wert ist

Wie stark sich ein sauber geführtes Telefonat auf den weiteren Prozess auswirkt, zeigt ein realer Kampagnenmonat bei unserem Kunden Vectra Logistic. Von 47 Fahrergesprächen kamen 16 als qualifiziert weiter, weil bei ihnen genau diese Punkte geklärt waren: Wechselgrund verstanden, Dokumente geprüft, Fahrpraxis konkret statt allgemein beschrieben. Von diesen 16 wurden 7 dem Betrieb vorgestellt, 3 davon wurden eingestellt. Wie sich diese vier Stufen im Detail zusammensetzen und warum ein doppeltes Werbebudget nicht doppelt so viele Bewerber bringt, steht im Artikel Wie viele Bewerbungen bis zur Einstellung.

Diese Quote ist ein Erfahrungswert aus einem einzelnen Kampagnenmonat bei einem einzelnen Betrieb, kein Wert für jede Spedition. Was sie zeigt, ist der Hebel dahinter: Ein sauber geführtes Telefonat entscheidet mehr über die spätere Einstellungsquote als jede zusätzliche Anzeige danach.

Ein zehnminütiges Telefonat ersetzt kein persönliches Gespräch, aber es entscheidet, wer überhaupt dorthin kommt. Wer die Prüfpunkte konsequent durchgeht, Wechselgrund, Lebenslauf, Dokumente, tatsächliche Fahrpraxis, verliert seltener einen Termin an jemanden, der am Ende doch nicht passt. Das kostet am Telefon ein paar Minuten mehr und erspart deinem Disponenten später einen ganzen Nachmittag.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ein Telefoninterview mit einem LKW-Fahrer dauern?+

Zehn bis fünfzehn Minuten reichen für die sechs wichtigsten Themen: Wechselgrund, Fahrpraxis, Dokumente, Verfügbarkeit, Sprache und die grobe Vorstellung zu Tour und Gehalt. Länger wird es selten ergiebiger, kürzer reicht meist nicht, um wirklich alle Punkte zu klären, statt nur den ersten Eindruck zu bestätigen.

Was bedeutet Modul 95 oder Schlüsselzahl 95 im Führerschein?+

Modul 95 ist der Nachweis der Berufskraftfahrerqualifikation, entweder als eigene Fahrerqualifizierungskarte oder als Schlüsselzahl 95 direkt im Führerschein eingetragen. Ohne einen dieser beiden Nachweise darf ein Fahrer gewerblich keinen LKW über 3,5 Tonnen fahren, unabhängig davon, wie lange er schon Erfahrung hat.

Darf ich als Arbeitgeber einfach beim früheren Arbeitgeber eines Bewerbers anrufen?+

Nein, jedenfalls nicht ohne seine ausdrückliche Einwilligung. Ein Anruf hinter seinem Rücken kann seinen Datenschutz verletzen und im schlimmsten Fall seine aktuelle Stelle gefährden. Frag stattdessen offen, ob er dir eine Kontaktperson nennt, die du mit seinem Einverständnis anrufen darfst.

Wie oft muss die Fahrerkarte ausgelesen werden?+

Ein Fahrer muss bei einer Straßenkontrolle Nachweise für den laufenden Tag und die vorausgegangenen 28 Kalendertage vorlegen können, so das Bundesamt für Logistik und Mobilität zur EU-Kontrollgeräte-Verordnung. In der Praxis bedeutet das, die Karte regelmäßig auszulesen, damit keine Daten überschrieben werden.

Woran erkenne ich, dass ein Bewerber am Telefon übertreibt?+

Am ehesten an fehlenden Details. Wer wirklich fährt, erzählt flüssig von Ladezeiten, Stammkunden oder Eigenheiten bestimmter Rampen. Wer nur allgemein von viel Erfahrung oder schon alles gefahren spricht, ohne auf konkrete Nachfragen konkrete Antworten zu geben, verdient eine zweite, genauere Nachfrage.

Erstgespräch

Bereit, die Lücke zu schließen?

Wir bringen deiner Spedition einsatzbereite CE-Fahrer aus zwei Fahrer-Pools, jeder persönlich vorqualifiziert. In einem 30-Minuten-Gespräch klären wir ehrlich, ob es passt.